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12.05.2026|

«It’s the information, stupid» 

Wie Sie sich denken können, ist diese Aussage nicht persönlich zu nehmen. Vielmehr handelt es sich um eine Analogie zum Catch-Phrase «It’s the economy, stupid», der 1992 in die Geschichte einging. Die saloppe Aussage von James Carville, Stratege im Wahlkampf-Team von Bill Clinton, unterstreicht die damalige politische Bedeutung der Wirtschaft für die amerikanische Bevölkerung und trug zuWahl Clintons bei.

Die Bedeutung der Wirtschaft ist seither nicht kleiner geworden. Parallel dazu haben jedoch die Fülle und der Stellenwert von Information mit dem Siegeszug des Internets, den mobilen Geräten und der Durchdringung unseres Alltags mit künstlicher Intelligenz exponentiell zugenommen. Information ist selbst zu einem entscheidenden Wirtschaftsfaktor geworden. Insofern ist die Abwandlung von Carvilles Catch-Phrase perfekt auf unser Informationszeitalter zugespitzt. 

Überfluss an Information, Mangel an Wahrheitsgehalt 
Unsere Welt wird täglich durch eine schier unendliche Menge an Information geflutet. Mehr und mehr Menschen wenden sich jedoch von den klassischen Medien ab und informieren sich über soziale Medien oder Chatgruppen. Dort spielen Emotionen und persönliche Überzeugungen oft eine wichtigere Rolle als Fakten. Im Vordergrund stehen die Wirkung auf die eigene Zielgruppe und die Klickzahlen. Gleichzeitig verbreiten sich Desinformation und Verschwörungstheorien durch KI-generierte Inhalte immer schneller. Das stellt eine ernsthafte Bedrohung für das Vertrauen in Wissenschaft und Medien, und darüber hinaus die Demokratie an sich dar. 

Postfaktizität auf dem Vormarsch 
Parallel dazu findet eine Politisierung der Wahrheit statt. Fakten werden der eigenen politischen Agenda untergeordnet und dienen als Mittel zum Zweck. An die Stelle einer sachlichen Diskussion tritt eine populistische Rhetorik, während der Informationsüberfluss die Verbreitung von Halbwahrheiten und Lügen vereinfacht. Traditionelle Medien werden gezielt geschwächt oder von Milliardären aufgekauft, die die Meinung diktieren. Ein Blick über den Atlantik genügt, um diese Entwicklung in Echtzeit zu verfolgen. Sinnbildlich dafür steht das Social Media-Netzwerk «Truth social», gegründet von einem der notorischsten Lügner der Geschichte. 

Und wie sieht’s in der Schweiz aus? 
In der Schweiz ist die Situation dank dem guten Bildungssystem, dem Service Public und dem noch relativ vielfältigen Journalismus weniger dramatisch. Doch auch hierzulande gibt es beunruhigende Tendenzen, so wie die gezielte Schwächung der öffentlich-rechtlichen Medien oder die wachsende Anzahl von Menschen mit News-Fatigue, die sich von seriösen Medien abwenden. Wirksame Mittel gegen diese Entwicklung sind die gezielte Medienförderung sowie ein einfacher Zugang zu guter Information, die auf Faktentreue, Transparenz und Fairness basiert. Das stärkt die Resilienz gegen Desinformation und ermöglicht einen aufgeklärten und faktenbasierten Diskurs, der für unser direktdemokratisches System zentral ist

Über den Autor

Fabian informiert sich bevorzugt über etablierte private und öffentlich-rechtliche Medien. Für Faktenchecks vertraut er auf entsprechende Portale und die Schwarmintelligenz von Wikipedia.