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26.01.2026|

Die Gesundheit von Top-Führungskräften: Das verborgene Element stabiler Governance

Gesundheitliche Probleme von Führungskräften sind nicht nur persönliche Prüfungen, sondern Fragen der Governance, der Kommunikation und der kollektiven Resilienz. Was also tun, wenn eine Top-Führungskraft erkrankt? Acht zentrale Schritte zeigen, wie Unternehmen empathisch kommunizieren und dabei transparent und handlungsfähig bleiben.

Lange Zeit ein Tabuthema, wurde der Gesundheitszustand von CEOs oft streng geheim gehalten. Als würde das Eingeständnis der eigenen Verletzlichkeit das ganze Unternehmen schwächen. Im Zeitalter von Social Media und hohen Transparenzansprüchen ist absolutes Stillschweigen nicht mehr möglich und auch nicht erstrebenswert. Mitarbeitende beobachten, Kundinnen und Kunden stellen Fragen und die Märkte spekulieren. Vor allem jedoch steht hinter der bekleideten Funktion ein Mensch – mit seinen Stärken, aber auch mit seinen Schwächen.  

Gesundheitliche Probleme von Top-Führungskräften stellen nicht nur eine persönliche Belastung dar, sondern betreffen die unternehmensweite Governance, Kommunikation und kollektive Resilienz. Was also tun, wenn eine Top-Führungskraft krank wird? Einige grundlegende Massnahmen, um menschliche Würde und operative Stabilität miteinander in Einklang zu bringen. 

Für klare Governance-Strukturen sorgen 

Bei ersten Anzeichen eines möglichen Ausfalls – und in Einzelfällen sogar schon davor – sollte klar festgelegt werden, wer das Ruder übernimmt. Ob COO, Vorstandsmitglied oder erweitertes Führungsgremium, welche Wahl auch getroffen wird, entscheidend ist das Signal kontinuierlicher Verlässlichkeit bei Entscheidungen und stabiler Governance. 

Zuerst intern informieren – und zwar mit Empathie 

In einer solchen Situation sind an erster Stelle die Mitarbeitenden betroffen. Sie müssen die Wahrheit erfahren: ohne unnötige medizinische Details, aber auch ohne Beschönigungen. Ihr Vertrauen wird durch eine klare Botschaft gestärkt: «Der Unternehmenschef oder die Unternehmenschefin hat ein gesundheitliches Problem, doch das Unternehmen bleibt voll funktionsfähig.» 

Das öffentliche Narrativ steuern 

Investierende, Kundinnen und Kunden sowie Medien erfahren von den kleinsten Gerüchten. Daher empfiehlt sich eine schlichte, schnelle und sachliche Kommunikation. Schweigen hingegen verunsichert die Märkte. Ein inspirierendes Vorbild: Arthur Sadoun von Publicis ging offen mit seiner Erkrankung um und nutzte seine Erfahrungen, um das Bewusstsein dafür zu schärfen. 

Vorausschauendes Handeln mit spezifischem Krisenplan 

Szenarien für vorübergehende oder längere Abwesenheiten sollten im Voraus klar geplant werden. Vorgefertigte Mitteilungen, im Vorfeld benannte Sprecherinnen und Sprecher sowie validierte Protokolle und Prozesse: Derartige Vorbereitungen verhindern riskante Improvisationen, die oft schmerzhaft enden, und schützen sowohl die betroffene Person als auch die Organisation. 

Die Grenze zwischen Privatleben und öffentlichem Leben respektieren 

Es muss nicht alles gesagt werden. Was privat ist, bleibt geschützt. Die zentrale Regel: Kommuniziert wird nur das, was die Führungsrolle direkt betrifft. So bleibt die Würde gewahrt, während gleichzeitig den legitimen Erwartungen aller Beteiligten entsprochen wird. 

Persönlich kommunizieren und Verletzlichkeit zulassen 

Führungskräfte sind keine Übermenschen. Die Wahrheit zu sagen und die eigenen Grenzen aufzuzeigen, ohne die eigene Rolle aufzugeben, wirkt sehr viel inspirierender als jede Illusion von Allmacht. Der Mut zur kontrollierten Transparenz wird oft als grosse Stärke wahrgenommen. 

Social Media kanalisieren 

In Zeiten von Hashtags und sofortigen Reaktionen ist es entscheidend, schnell eine offizielle Kommunikation zu veröffentlichen. Diese über die Kanäle des Unternehmens verbreitete Mitteilung dämmt mögliche Gerüchte ein und hilft dabei, die Kontrolle über das öffentliche Narrativ zu behalten. 

Die Herausforderung zu einem wirksamen Impuls für alle werden lassen 

Manche Krisen können zu wichtigen Anliegen werden: Aufklärung über die Krankheit, Engagement für Prävention, bessere Arbeitsbedingungen für erkrankte oder betreuende Mitarbeitende. Derartige Initiativen, wie beispielsweise das von Publicis gestartete Projekt «Working With Cancer», verleihen der Belastungsprobe einen neuen Sinn und gehen über sie hinaus. 

Kurzum … 

Gesundheitliche Probleme von Führungskräften wirken wie eine Schockwelle auf Menschen, Organisation und Medien. Verhängnisvoll wäre es, zwischen völligem Schweigen und übergriffiger Transparenz zu wählen. Der richtige Weg liegt genau dazwischen: eine kontrollierte, aufrichtige, aber dosierte Kommunikation, die die betroffene Person schützt und zugleich Vertrauen in die Kontinuität der Geschäfte vermittelt. Denn letztlich liegt die Stärke eines Unternehmens nicht in der Unfehlbarkeit seiner Führungskraft, sondern in der gemeinsamen Fähigkeit, auf Kurs zu bleiben, auch wenn diese gesundheitlich beeinträchtigt ist. 

 

Dieser Text wurde von Nabila Bouzouina verfasst und am 15. Dezember 2025 im Leader Magazine veröffentlicht.

Über die Autorin

Nabila Bouzouina begleitet Führungskräfte und Organisationen bei sensiblen Kommunikationssituationen – dort, wo Menschlichkeit auf Strategie trifft. Sie ist überzeugt, dass Verletzlichkeit zu einer Stärke werden kann, und steht für eine klare, glaubwürdige und verantwortungsvolle Kommunikation.

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