28.07.2025|
Was wir vom Umgang mit KI über Kommunikation lernen können
Wir optimieren Prompts für KI-Chatbots bis ins kleinste Detail, versenden aber widersprüchliche Mails und wundern uns, wenn der Empfänger sie falsch versteht. Dabei gelten viele Grundregeln für den Umgang mit KI auch für die zwischenmenschliche Kommunikation.
Wer regelmässig mit KI arbeitet, hat vermutlich schon bemerkt, dass die Formulierung der Eingabe wesentlichen Einfluss auf das Ergebnis hat. Vielleicht gibt es in Eurem Unternehmen bereits klare Guides oder Richtlinien für das effiziente «Prompten». Aber wie effizient kommuniziert Ihr mit Euren Mitarbeitenden, Kolleginnen oder Partnern? Tatsächlich sind viele der Grundsätze für das Chatten mit ChatGPT & Co. auch für die zwischenmenschliche Kommunikation entscheidend. Gerade dort gehen sie aber oft vergessen.
Klarheit & Präzision
Unklare Kommunikation führt zu Missverständnissen und unbrauchbaren Antworten. Wer will, dass sein Gegenüber – Mensch oder Maschine – einen Gedanken korrekt aufnimmt, sollte präzise formulieren, was er oder sie meint. Angenommen, Ihr braucht für einen Social-Media-Post ein KI-generiertes Bild eines Lamas im Superhelden-Kostüm. Womöglich habt Ihr bereits eine klare Vorstellung davon im Kopf, wie dieses Lama aussehen soll. Wenn Ihr aber einfach eintippt: «Erstelle ein Bild von einem Lama als Superheld», wird das Resultat sehr wahrscheinlich nicht genau dieser Vorstellung entsprechen. Je mehr Details man hingegen liefert, desto zufriedenstellender ist das Ergebnis:



Das Beispiel «Super-Lama» zeigt: KI kann keine Gedanken lesen. Eure Mitmenschen können es auch nicht. Mit genügend hilfreichen Details müssen sie es aber auch nicht.
Kontext ist entscheidend
«Kannst du bitte diese Rechnung prüfen?» Ein und derselbe Satz kann für die langjährige Mitarbeiterin eine simple Anweisung sein, den neuen Praktikanten hingegen komplett überfordern: Worauf ist beim Prüfen zu achten? Was muss in der Rechnung stehen, damit sie richtig ist? Welche Fehler können sich einschleichen? All das ist wertvoller Kontext, den nicht jeder Rezipient kennt. Gleichermassen profitieren Chatbots vom Kontext, für wen und für welchen Zweck sie einen Text, ein Bild oder eine Analyse erstellen. Es ist die Pflicht des Auftraggebers, diesen Kontext herzustellen – ansonsten darf er sich nicht wundern, wenn die Rechnung nach dem Prüfen noch Fehler enthält oder der PR-Text von ChatGPT gespickt mit Marketing-Elementen ist.
Höflichkeit als Lebensversicherung
Seid Ihr immer höflich zu ChatGPT? Dann gehört Ihr laut einer Studie des Verlags Future zu den 70 Prozent der User, die im Umgang mit Chatbots oder Smart Speakern auf ihren Tonfall achten. 58 Prozent tun dies gemäss der Studie aus reinem Anstand, die übrigen 12 Prozent betrachten dies eigenen Angaben zufolge als Lebensversicherung für den Fall einer Robo-Revolution. Wer nett zur KI ist, der wird nicht pulverisiert, so die Überlegung. Aber auch ohne drohende Vernichtung lohnt sich ein gewisses Mass an Höflichkeit und führt nachweislich zu besseren Ergebnissen. So auch im beruflichen oder privaten Umfeld: Höflichkeit schafft Vertrauen und gegenseitigen Respekt, beides elementar für die Kommunikation und damit wiederum für die Qualität der Ergebnisse. Oder noch simpler gesagt: Wer nett fragt, kriegt eher, was er will.
Kenne dein Gegenüber!
ChatGPT, Grok, Gemini, Claude, Perplexity – die Liste der KI-Chatbots ist lang, und alle kommen mit ihren Eigenheiten. Der perfekte Prompt für den einen funktioniert beim anderen deutlich schlechter. Genauso verhält es sich bei unseren Mitmenschen. Wer sein Gegenüber kennt, kann effizienter kommunizieren als jemand, der alle über einen Kamm schert. Wir tun es ja bereits unterbewusst: Es ist der Grund, warum wir manchem Vorgesetzten die Füsse küssen, den besten Freund aber bei jeder Gelegenheit auf die Schippe nehmen.
Manche Menschen schreiben sich praktisch auf die Stirn, wie man mit ihnen kommunizieren muss, andere sind dagegen deutlich schwieriger zu lesen. Ein Gespür dafür zu entwickeln, wer welche Tonart bevorzugt, kann dauern, sich aber auf lange Sicht enorm lohnen. Im Exzess mag es unauthentisch erscheinen, seinen Kommunikationsstil der Gesprächspartnerin anzupassen. Im richtigen Mass kann es aber sehr effektiv sein.
Zusammengefasst: Wer mit seinen Chatbots besser kommuniziert als mit seinen Mitmenschen, überlebt dadurch vielleicht die Machtergreifung der KI, optimiert damit aber noch lange nicht seine Prozesse, geschweige denn seine Beziehungen.